Hornisse – viel besser als ihr Ruf
Noch bis Mitte Oktober sind Hornissen unterwegs, und das - im Gegensatz zu Wespen - auch nachts und bei vollkommener Dunkelheit. Viele Menschen haben Angst vor ihnen, da ihnen der Ruf vorauseilt, grundlos zu stechen. Damit tut man den Insekten jedoch Unrecht: Sie sind generell eher scheu und treten normalerweise bei Störungen den Rückzug an. Sie verteidigen jedoch vehement ihr Nest, insbesondere Allergiker sollten hier ausreichend Abstand halten. Anders als Wespen interessieren sie sich auch nicht für Kuchen, Eis oder süße Getränke; sind sie trotzdem mal im Garten unterwegs, lässt man sie am besten in Ruhe und fuchtelt nicht hektisch herum.
Merkmale
In Deutschland sind vor allem zwei Hornissenarten anzutreffen: die Europäische Hornisse (Vespa Crabro) und die Asiatische Hornisse (Vespa velutina). Beide gehören zu der Unterfamilie der so genannten echten Wespen (Vespinae). Die Arbeiterinnen der Europäischen Hornisse können bis zu 3,5 Zentimeter und die Königinnen bis zu 4 Zentimeter groß werden. Ihre Streifen sind rotbraun und gelb, die Beine ebenfalls rotbraun, der Hinterleib ist gelb mit schwarzen Streifen oder Punkten. Sie sehen im Prinzip aus wie sehr große Wespen. Asiatische Hornissen sind etwas kleiner und durch ihren deutlich dunkleren Körper, den schwarz gefärbten Kopf und die gelben Füße leicht zu unterscheiden.
Lebensraum und Nahrung
Wie der Name schon sagt, stammt die Asiatische Hornisse aus Südostasien. Anfang des 21. Jahrhunderts gelangte sie wohl über Warentransporte nach Frankreich und hat sich seitdem in ganz Europa angesiedelt. Da sie als gebietsfremde Art die heimische Europäische Hornisse sowie Wildbienen und Wespen gefährdet, wurde sie 2016 von der EU als invasive Art eingestuft.
Beide Hornissenarten haben die Fähigkeit Sekundärnester zu bauen und dorthin auszuwandern. Das heißt, wird ihnen ihr Nest zu eng, bilden sie Filialen und ziehen um. Diese Sekundärnester sind häufig oben in Baumwipfeln, aber auch in Gartenschuppen oder Rollädenkästen.
Als Nahrungsquelle dienen Nektar, Baum- und Obstsäfte. Für ihre Nachkommen jagen Hornissen jedoch – wie andere Wespen auch – Insekten, z. B. Honigbienen, andere Wespen, Fliegen etc., und Spinnen als Proteinquelle. Ein individuenreiches Hornissenvolk fängt pro Tag bis zu 500 Gramm Insekten. So helfen die Tiere einerseits bei der Schädlingsbekämpfung, stellen aber andererseits eine Gefahr für bedrohte Insektenarten dar.
Lebensweise und Fortpflanzung
Der faszinierende Lebenskreislauf einer Hornisse folgt laut NABU dem immer gleichen Muster. Im Herbst wird die Jungkönigin geboren und begattet, bevor sie sich in den Winterschlaf zurückzieht. Anfang Mai wird sie wieder wach, sucht Nistplätze und isst sich erstmal satt. Ist sie fündig geworden, beginnt sie sechseckige Wabenzellen zu bauen und mit etwa 50 Eiern zu belegen. Aus diesen Eiern entwickelt sich innerhalb von fünf bis acht Tagen eine Larve. Es folgt das Puppenstadium, bevor die Hornisse ausgewachsen ist.
Anfang Juli sind die ersten Arbeiterinnen geschlüpft, so dass die Königin immer seltener ausfliegen muss und im Nest bleiben kann. Arbeiterinnen sind deutlich kleiner als die Königin und leben nur etwa drei bis vier Wochen. Im Hoch- und Spätsommer, zwischen Mitte August und Mitte September, zählt ein Staat der Europäischen Hornisse dann 400 bis 700 Tiere, das Nest ist bis zu 60 Zentimeter hoch. Staaten der Asiatischen Hornisse können sogar bis zu 2.000 Tiere zählen!
Die Königin entwickelt nun gezielt Eier, aus denen ausschließlich Drohnen (Männchen) und künftige Jungköniginnen schlüpfen. Damit zieht sie sich nach und nach zurück und stirbt schließlich mit etwa einem Jahr. Die Geschlechtstiere paaren sich im Herbst und der Kreislauf beginnt von Neuem. Die Arbeiterinnen sterben nach und nach, bis das Nest verlassen ist.
Gefährdung und Gefahren
Die Europäische Hornisse ist nach Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) und Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders streng geschützt. Sie darf nicht gefangen oder getötet und ihre Nester nicht zerstört werden. Wer ein Nest an einer kritischen Stelle - z. B. nah am Wohnraum - entdeckt, darf dieses ausschließlich mit Genehmigung der Naturschutzbehörden entfernen. Dafür wendet man sich an die Feuerwehr oder eine spezialisierte Firma. Dann wird das Nest umgesiedelt.
Die Asiatische Hornisse hat etwa ein Drittel des Bundesgebietes besiedelt und gilt deswegen seit März 2025 als etablierte Art. Deswegen greifen in Deutschland Maßnahmen zum Management einer etablierten Art; es gibt aktuell keine Bekämpfungspflicht der Naturschutzbehörden.
Der Stich einer Hornisse ist generell nicht gefährlicher als der einer Biene oder Wespe. Mitunter wird er als etwas schmerzhafter empfunden, da der Stachel länger und stärker ist. Er kann aber, wie jeder andere Insektenstich auch, zu einer allergischen Reaktion führen, die schlimmstenfalls lebensbedrohlich ist. Bei Schwellungen, Atemnot oder Nesselsucht sofort den Arzt kontaktieren! Wichtig: Dies gilt ausschließlich für Menschen, die schon mindestens einmal gestochen wurden. Eine Allergie entwickelt sich erst nach mehreren Stichen. Menschen, die davon betroffen sind, müssen sich ein Allergie-Set für den Notfall verschreiben lassen. Vereinzelte Meldungen lassen befürchten, dass der Stich der Asiatischen Hornisse zu stärkeren allergischen Reaktionen führt.