Alpenmurmeltiere – ein Leben im Untergrund

Alpenmurmeltier
Alpenmurmeltiere leben hoch oben im Gebirge

Die Redensart „Schlafen wie ein Murmeltier“ kommt nicht von ungefähr. Sie besagt, dass jemand tief und fest schläft und sich durch nichts stören lässt. Tatsächlich verbringen Murmeltiere die komplette kalte Jahreszeit von Oktober bis mindestens März im Winterschlaf. Im Familienverband von bis zu 20 Tieren liegen sie aneinander gekuschelt in ihrem unterirdischen Bau und fahren in dieser Zeit alle Körperfunktionen herunter, um Energie zu sparen.

Wann und wie ihr Winterschlaf beginnt, ist übrigens nicht abschließend geklärt. Herbstliche Temperaturen oder ein zurückgehendes Nahrungsangebot spielen offenbar keine Rolle, stattdessen verfügen sie über eine Art innere Uhr. Diese wird durch hormonelle Umstellungen und die Tageslänge gesteuert.

Merkmale

Alpenmurmeltier
Mit seinen großen Schneidezähnen kann es hervorragend graben

Das Alpenmurmeltier (lateinisch: Marmota marmota), auch „Murmel“ oder „Mankei“ genannt, gehört zur Gruppe der Nagetiere und ist eine von weltweit 15 Murmeltierarten. Es ist nah verwandt mit dem Eichhörnchen und nach dem Biber das größte heimische Nagetier. Vom Kopf bis zur Spitze seines etwa 20 Zentimeter langen Schwanzes kann es bis zu 70 Zentimeter messen. Es ist zwischen drei und sechs Kilogramm schwer, wobei das Gewicht im Laufe des Jahres stark schwankt – während der Wintermonate verliert es bis zu einem Drittel seiner Körpermasse.

Die Fellfarbe variiert zwischen rötlich, hellbraun und schiefergrau, die Unterseite ist eher gelblich. Der Kopf ist oft dunkler, die Schnauze hell. Insgesamt hat das Fell eine sehr dichte Struktur, so dass es die Tiere gut vor Kälte schützt. Der Körperbau des Alpenmurmeltiers ist an seinen Lebensraum angepasst: Die Vorderbeine sind kürzer als die Hinterbeine und haben nur vier Zehen; so sind sie sehr gut zum Graben seiner Tunnelbauten geeignet. Die Erde lockern die Tiere dabei zunächst mit ihren langen Schneidezähnen auf.

Lebensraum und Nahrung

Murmeltier vor Höhle
Alpenmurmeltier am Eingang zu seiner Höhle

Alpenmurmeltiere kommen im gesamten Alpenraum und den Karpaten (Osteuropa) vor. In Deutschland trifft man sie in den Bayerischen Alpen, den Allgäuer Alpen, dem Karwendel- und Wettersteingebirge sowie den Berchtesgadener Alpen an.

Sie leben oberhalb der Baumgrenze auf Höhen zwischen 900 und 2.500 Metern in weit verzweigten Erdbauten mit mehreren Kammern, die mehrere Meter tief sind. Da sie nur wenige Schweißdrüsen haben, ist ihr Körper nicht gut an ein wärmeres Klima in tiefergelegenen Regionen angepasst.

Zum Graben und Bauen bevorzugen sie Hänge in Südlage, auf denen der Schnee durch die Sonne frühzeitig schmilzt. Das Höhlensystem wird oft über mehrere Generationen hinweg erweitert. Hier schlafen sie, ziehen ihren Nachwuchs auf und sind vor Fressfeinden sicher.

Sobald sie ihren Bau verlassen, steigt die Gefahr jedoch deutlich an. Murmeltiere kennen sich in ihrer Umgebung nicht besonders gut aus und wissen damit auch nicht, wo sie sich verstecken können. Damit sie nicht von Greifvögeln erbeutet werden, entfernen sie sich deshalb nicht mehr als 15 bis 20 Meter von ihrem Bau.

Alpenmurmeltiere sind vorwiegend Vegetarier und ernähren sich in erster Linie von Gräsern, Kräutern, Blüten, Blättern, Wurzeln und Samen. Gelegentlich stehen kleine Tiere wie Insekten, Maden oder Schnecken auf dem Speiseplan. Typischerweise fressen sie sich im Sommer Fettreserven für den Winterschlaf an, um die lange Fresspause zu überstehen.

Lebensweise und Fortpflanzung

Alpenmurmeltiere Paar
Gesellige Tiere mit einer klaren Rangordnung

Als gesellige und hochsoziale Wildtiere leben Alpenmurmeltiere in Gruppen von bis zu 20 Tieren mit einer klaren Rangordnung. Angeführt wird eine Gruppe von einem erwachsenen Elternpaar, das allein oder mit seinen Nachkommen ein festes Territorium besetzt und verteidigt. Die Nachkommen sind dabei unterschiedlich alt: Alpenmurmeltiere werden mit zwei Jahren geschlechtsreif, danach bleiben sie noch mindestens zwei Winter bei ihren Familien. Mitunter nehmen Murmeltiere auch Waisenkinder anderer Familien in ihre Gruppe auf.

Die Paarungszeit beginnt direkt nach dem Winterschlaf und ist mit etwa zwei Wochen sehr kurz. Die Tragzeit beträgt 33 bis 34 Tage, danach werden bis zu sechs nackte und blinde Junge geboren. Um ihre Überlebenschance zu erhöhen, überwintern Murmeltiere gemeinsam und eng aneinander geschmiegt im Familienverband. Dadurch halten sie sich gegenseitig warm und der Energieverbrauch wird gesenkt.  

Während des Winterschlafs werden alle lebenswichtigen Funktionen des Körpers auf ein Minimum heruntergefahren. Die Körpertemperatur eines Murmeltieres fällt dabei von 39 auf sieben bis neun Grad Celsius, der Herzschlag sinkt von 100 auf zwei bis drei Schläge pro Minute, die Atempausen strecken sich auf mehrere Minuten. Dabei liegt das Murmeltier in einer Art Starre und ist wehrlos; deswegen bereitet es seinen Winterbau gut vor. Bis zu 15 Kilogramm Gras werden als Polstermaterial hereingetragen, abschließend wird der Eingang mit Erde, Steinen und Gras verschlossen.

In den Wachphasen sind Alpenmurmeltiere nicht zu überhören. Sie kommunizieren mit schrillen Rufen, die wie Pfiffe klingen. Damit warnen sie sich vor Gefahren, etwa durch Fressfeinde.

Gefährdung und Gefahren

Alpenmurmeltier auf Felsen
Die Klimaerwärmung wirkt sich in den Alpen stark aus

Einige natürliche Feinde können dem Alpenmurmeltier gefährlich werden. So kann der Steinadler während einer Brutsaison bis zu 70 ausgewachsene Exemplare erlegen. Der Rotfuchs hat aufgrund seiner Größe nur aus dem Hinterhalt eine Chance – er konzentriert seine Jagd daher auf Jungtiere. Das Gleiche gilt für Kolkraben und Baummarder.

Der Hauptfeind der Alpenmurmeltiere ist jedoch der Mensch. Im letzten Jahrhundert wurden sie intensiv bejagt; schlafende Murmeltiere wurden ausgegraben, um Fleisch und Öl für Salben und Tinkturen zu gewinnen.

Heute stehen sie unter Naturschutz und es gilt eine ganzjährige Schonzeit, die Bestände haben sich erholt. Deswegen werden sie in Bayern, ihrem Hauptlebensraum in Deutschland, aktuell als nicht gefährdet eingestuft.

Allerdings macht ihnen der Klimawandel zu schaffen. Im Alpenraum sind dessen Folgen stark ausgeprägt, die Temperaturen steigen hier deutlich schneller an als in anderen Regionen. Alpenmurmeltiere sind jedoch nicht an die Wärme angepasst und versuchen in höhere Regionen oder unter die Erde auszuweichen. So wird ihr Lebensraum immer kleiner.

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